Mar
12

2013

Lords of the Hochglanzprospäktli


Als wir schliesslich im Land ganz unten rechts auf der Weltkarte in einer Stadt namens Queenstown auf dem Boden aufsetzen, werden wir auch recht schnell wieder auf den Boden der Wirklichkeit zurückgeholt: Die 6 dl Mineralwasser, die wir am Flughafen kaufen, kosten gleichviel wie ein Steak mit Pommes und Salat in Kathmandu und eine einzige Nacht in einem simplen Backpackers kostet so viel wie 10 Nächte in Nepal mit eigener Dusche und free Wifi. Dafür gibts am Flughafen einen offiziellen “bike assembly point” – wow!

Ausserdem fällt uns auf, dass sich die Touristen hier hordenweise von Brücken und aus Flugzeugen stürzen, während sie in Indien mehrheitlich damit beschäftigt waren, die nächste Busfahrt zu überleben. Zumindest kriegen wir diesen Eindruck, als wir eines dieser freundlichen Tourist Offices betreten. “Even my shit was scared”, steht auf einem der Bungee-Plakate da drin und die Frau am Schalter kennt eine Menge Antworten, die sie aber nur dann sagt, wenn man die Frage dazu weiss. Bald einmal haben wir so viel Papier zusammen, wie man es in Nepal nur kriegt, wenn man sich ein Buch kauft. Und ausserdem haben wir Kopfschmerzen von so vielen Informationen, Anbietern, Gutscheinen und Optionen… aber noch lange keinen Plan und schon gar keine Reservation, was hier scheinbar immer und für alles notwendig ist. *seufz*

Zu den Pluspunkten der westlichen Welt gehören dafür die Supermärkte. Hier gibt es alles, aber auch wirklich alles, was man sich nur vorstellen kann und auch wirklich alles schmeckt unglaublich gut. Sogar sämtliche Früchte sind absolut makellos… und wahnsinns teuer. Kein Wunder, denn die meisten Produkte sind schon fast so weit gereist wie wir. Selbst die Kiwis kommen fast alle aus Italien!

Nachdem wir manchmal gespöttelt hatten, dass manche Inder kaum im Stande sind mehr als fünf Sekunden in die Zukunft zu denken, fällt es uns nun selbst schwer zwei Wochen voraus zu planen.

Die 40-minütige Dampfschiffsfahrt über den See kostet uns zwar ein ganzes Tagesbudget, aber ich bin nur froh endlich wieder zu rollen. Ein Schottersträsschen führt uns über eine Hochebene, über die sonst die Ritter von Rohan galoppieren (oder so) und unser Zelt stellen wir in einem Hagelsturm beim Fangorn Forest auf, was wir allerdings auch nur wissen, da sämtliche Lord of the Rings Drehorte in unserem Roadatlas verzeichnet sind.

Nach gerade mal vier Radeltagen machen wir uns zu Fuss Richtung Milford Sound auf. Auf dem Hinweg nehmen wir den Greenstone Track und sehen dabei lichten Birkenwald, ultra-vermoosten Märchenwald, viel, viel Farn und grosse Redwood – Bäume. Nach drei sehr “bäumigen” Tagen kommen wir schliesslich bei einer Strasse an, halten den Daumen raus und werden drei Minuten Später von einem Taiwanesen mitgenommen.

Im Milford Sound, der eigentlich ein Fjord ist, machen wir dann die obligate Bootstour, kochen Thai-Curry und machen uns mehrfach strafbar indem wir grosse Mengen der Sandflies töten (gerüchtehalber ist es illegal die zu zerklatschen da sie endemisch seien…). Auch für die Abendunterhaltung ist gesorgt. Wir kriegen Besuch von einem Possum, das in unserem Vorzelt nach Food sucht und Reto verbringt die halbe Nacht damit, ihm mit meinen Crocs auf die Nase zu hauen, worauf das Possum wie der Blitz aus dem Zelt rennt um gleich darauf wieder schnuppernd in unserem Vorzelt zu stehen, genau so wie fünfminuten davor. Da fällt einem unweigerlich die Szene aus Ice Age 3 ein, in dem eines der Possums verrät: “Do you know our secret? We’re dead stupid.”

Für den Rückweg nehmen wir den bekannten Routeburn Track. Diesmal ist sogar etwas Bergsicht inklusive und das Wetter ist so unglaublich, dass wir bei jeder Gelegenheit in einen Bergsee oder Fluss springen um uns abzukühlen.

Zurück in Queenstown treffen wir zwei Basler, die hier nicht nicht bungee jumpen, Sky diven oder Jetboat fahren, sondern heiraten. Herzliche gratulation nochmals!

Ausserdem tätigen wir hier die Anschaffung des Monats: Es handelt sich dabei um einen 5$-Frisbee, der als Teller, Schneidbrett, Pfannendeckel, Notiztafel, Feierabendbeschäftigung und zum hier beliebten Frisbee-Golf taugt. Ein wahres Wunderwerk, das Ding!

Danach reissen wir uns doch noch aus Queenstown los, radeln über kleine Pässe und grosse Ebenen, frittieren Riesencrevetten im Bierteig, geniessen die Aussicht vom Mt Roy, baden in klaren Flüssen und blauen Seen, braten Käse-Toasts in der Morgensonne und schlagen Schoggimousse wenn sich der um 180 Grad gedrehte europäische Sommer-Sternenhimmel breit macht.

Liebe Grüsse aus dem Land, wo die Sandflies das einzige sind, was es gratis gibt,

Petra und Reto

Comments

4 Responses to “Lords of the Hochglanzprospäktli”
  1. Andrea says:

    wow. gwaltigi Landschafte! no e Woche und be ou dört unde!!! so cool. und bike? downhille? z tür? oder falschi Velo’s eher…. e ganz e decki Umarmig

  2. Ela says:

    Hi. Kann mich nur anschliessen: Wow!
    Ich musste die letzten drei Blogs noch mal nachlesen. War selbst nur grade 3 Wochen in Guatemala-Belize-Mexico auf einer kleinen Gruppen-Reise. Einfach eindrücklich eure Erlebnisse! Und wie immer super Bilder.

  3. Rahel says:

    Wooooooow, unglaubliche Bilder! Da werden gute Erinnerungen an das tolle Land geweckt :-). Würde mich am liebsten gleich einmal durch die Erde beamen zu euch runter ;-). Bei uns hats grad nochmal geschneit, sodass noch 2 Brettli angesagt sind. Bald locken aber sicher auch wieder die 2 Rädli :-). Viiiiiiel Spass euch beiden!

  4. Felix says:

    Aha, neben Bungyjumpen scheinen auch die Fotoapparate allen Touristen gemeinsam zu sein. Aber in dieser Kategorie habt ihr eh schon gewonnen, nicht nur wegen dem Apparat, sondern vor allem wegen den Bildern! Darf ich die als Bildschirmschoner haben?
    Schön euch so zu sehen und bald live und direkt?
    Aber wie Rahel schrieb: auf dieser Hälfte der Erdhalbkugel kommt der Frühling erst noch, und die Zeit ist auch anders als in Neuseeland. Dafür sind die Preise wohl ähnlich 😉
    Merci für Alles!

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