Oct
16

2007

Wind and Wonders


Die Strecke von Uyuni nach San Pedro de Atacama ist oft hart und oft wunderschoen, meistens aber beides zugleich!
Was uns, oder vor allem mir (Petra), am meisten zu Schaffen macht ist nicht der Strasszustand, der manchmal einem Bachbett aehnlich sieht, nicht die naechtliche Kaelte, die alles was man nicht in den Schlafsack hinein rettet gefrieren laesst, nicht die Hoehe, die einem Schlaf und Atem raubt und nicht die vielen Paesse, die es zu ueberqueren gilt. Was uns richtig zu beissen gibt ist der Wind!

Er bricht unser Tempo auf einen Drittel herunter, friert Finger und Zehen ein, trocknet uns aus, blaest Sand in Augen, Ohren und Nase, macht vielerorts das Campieren unmoeglich und manchmal sogar das Velofahren!

“Wo bleibt denn da der Spass?”, fragt ihr euch nun vielleicht… Naja, Spass macht es zum Beispiel…
… auf einsamen Strassen durch schoenste Andenlandschaften zu pedalen.
… abends zu zweit 400g Spaghetti zu verdruecken.
… hunderte pinke Flamingos durch die pinke Laguna Colorada stapfen zu sehen.
… sich hinter einer Windschutzmauer von der Sonne waermen zu lassen.
… Bei Sonnenuntergang in den heissen Quellen des Salar de Chalviri zu planschen.
… Eine Stunde lang Bratkartoffeln zu braten und sie innerhalb von 10 Minuten
aufzuessen.
… sich von den farbenpraechtigen Bergen an Island erinnern zu lassen.
… hinter der Laguna Verde den stolzen Vulkan Licancabur zu bewundern.
… sich von der Edeltourgruppe mit Lachs an Rahmsauce und frischem Gemuese
verpflegen zu lassen.

Die beiden Radler Stefan und Sabine aus Deutschland sind uns mal wieder dicht auf den Fersen. Wir lassen es uns deshalb nicht nehmen auf dem Weg nach San Cristóbal den einen oder anderen GPS-Schatz zu verstecken. Viel Spass beim Suchen!

Kurz vor Alota steuert mal wieder eine Windhose direkt auf uns zu. Wir halten an und schuetzen das Gesicht. Diesmal hat der Wind aber eine solche Wucht, dass er uns beide mitsamt Raedern zu Boden wirft. Waehrend einigen Sekunden fuehlen sich die Sandkoerner wie Nadeln an auf der Haut.. Danach rappeln wir uns wieder auf und die Windhose zieht weiter, als ob nichts gewesen waere…

Bei einem Bauernhof fragt Reto nach dem Weg. Obwohl man gerade am Lama-Schlachten ist, gibt man gerne Auskunft. Zwei Tiere liegen bereits tot am Boden. Ihr Blut wird in einer Schale gesammelt und vier weitere warten mit verbundenen Augen auf den Tod :-I


Kleine Paesse, gute Schotterstrassen, grosse Paesse, schlechte Strassen…


Extrem kitschiger Sonnenuntergang in Villa Alota


Obwohl wir an Hoehe gewinnen wird allmaehlich die Landschaft gruener


Spektakulaere Felsenformationen

In Villa Mar gibt es zwischen den Felsen allerlei zu finden: Lamas, Schweine, Schafe und sogar ein abgestuerztes Flugzeug.

Vorbei an einem kleinen Salar gehts weiter zur rot gefaerbten Laguna Colorada. Der Wind pfeifft mal wieder unerbittlich in die falsche Richtung, ich bin am Ende meiner Kraefte und das Alojamento mit dem so noetigen Trinkwasser ist noch soooo weit weg! In einem Canyon finden wir wenigstens etwas Windschutz. Also bleibe ich hier, stelle das Zelt und kuemmere mich um Essbares, waehrend Reto Wasser holt – eine gute Entscheidung, denn es stellt sich heraus, dass bis zum Alojamento kein richtiger Weg existiert und Reto schiebt Ygramul deshalb kilometerweit ueber Wellblechpisten, Sand und Geroell!


Die Flamingos waaten friedlich durch die rot gefaerbte Laguna Colorada

Ueber 4’900m hoch ist der naechste Pass. Da oben pfeifft der Wind zur Abwechslung mal in unsere Richtung. Ohne eine einzige Pedalumdrehung zu machen werden wir mit 18 km/h eine Schotterstrasse hinauf geschoben, yeah! Hier blubbern, dampfen und spritzen die Geysire Sol de Mañana eifrigst vor sich hin und wir flitzen bald schon hinunter zum Salar de Chalviri. Im Visitor Center ist man so nett, fuer uns zwei Matrazen auf den Boden zu legen und ein Lama in die Pfanne zu hauen, waehrend wir in den Thermen baden. Zum Glueck! Unser Zelt haette dem starken Wind wohl kaum Stand gehalten…


Blubbernde Geysire des Sol de Mañana

Ein weiterer Tag, ein weiterer Pass und wir stehen dem Vulkan Licancabur gegenueber. Nach neun anstengenden Tagen kurbeln wir hinauf zur bolivianischen Grenze und wenige Kilometer spaeter flitzen wir mit steifgefrorenen Fingern auf einer chilenischen Alphaltstrasse fast senkrecht nach San Pedro de Atacama hinunter. Jetzt sind es nur noch 2’000 Abwaerts-Hoehenmeter bis zur Zivilisation!


Laguna Verde mit Volcan Lincancabur im Hintergrund


Die blaue Laguna Blanca, die ueber Nacht vom Wind und den eisigen Temperaturen einfach mal zugefroren wurde


Starker Gegenwind hat bei der Abfahrt nach San Pedro hohe Tempis leider verhindert 🙁

Liebe Gruesse aus dem warmen San Pedro,
Petra und Reto

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