May
6

2007

Viang Xai – Paradies mit Bombenkratern


Nach weiteren 55 km Kalksteinberge kommen wir in Viang Xai an. Dass es sich hier nicht um eine Grossstadt handelt, hatten wir gedacht, aber etwas mehr als drei Bambushuetten und einen Kiosk haetten wir schon erwartet. Immerhin ist Viang Xai die zweitgroesste Stadt der Provinz…

Unschluessig folgen wir der kleinen Strasse, die hier abzweigt. Da sind noch ein paar Pfahlhaeuser zwischen den Baeumen, dort ein See, weitere Haeuser, eine Querstrasse, ein halbes Reisfeld und noch mehr Haeuser. Erst jetzt realisieren wir die Groesse der Stadt wobei “Stadt” vielleicht die falsche Bezeichung ist. “starkbesiedeltes Tal” waehre wohl treffender.

Hier ticken die Uhren noch langsam; Stress kennt man (noch) nicht. Mit den Seen und Palmen in Mitte der bewaldeten Kalksteinfelsen macht die Stadt wirklich den Anschein eines kleinen Paradieses. Auf den ersten Blick kann man kaum glauben, dass dieser Ort vor 35 Jahren Ziel des intensivsten Bombardemets der USA war.
Dieser – von der Weltgeschichte weigtehend ignorierte – geheime Krieg gegen Laos ist hier noch stark praesent. Ueberall sind Bombenkrater zu sehen und die Kalksteinfelsen haben die Architektur eines Emmentaler-Kaeses. Staatsoberhaeupter und Bevoelkerung verschanzten sich hier wahrend 9 Jahren (!) in unzaehligen Hoehlen.
Mit dem Velo flitzen wir von Hoehle zu Hoehle und unser Guide erzaehlt uns anschaulich, wer in den entsprechenden Caves gewohnt hatte.

Heute ist ein Feiertag und die Freizeit wird fuer ein Fussballtournier genutzt. Linien sind keine eingezeichnet, aber die Mannschafften sind fussballtechnisch korrekt gekleidet. Dem Speaker zufolge koennte man meinen, es handle sich um eine Weltmeisterschaft und dazwischen ertoent laotische Off-Beat-Musik.

Am Abend sitzen wir am See und geniessen den Sonnenuntergang. Die Einheimischen waschen sich selbst und ihre Kleider im See. Einen Zu- und Abfluss hat er nicht, das Wasser ist braun, aber es wird viel gelacht dabei :-I

Wir verlassen Viang Xai nicht gerne. So friedlich und stimmungsvoll wird’s hier wohl nicht lange bleiben, denn die Regierung moechte aus diesem Ort einen Touri-Spot sondergleichen machen. Die Werbung dafuer ist schon in vollem Gange.

Auf dem weiteren Weg machen wir noch einen Abstecher zu einem 80 m hohen Wasserfall. Doch zuerst muessen wir unsere sieben Sachen im Gebuesch verstecken.


Suchbild, irgendwo sind hier Ygramul, Artax und die Taschen

Im naechsten Ort laden wir Artax und Ygramul auf’s Dach eines Langstreckenbuses. Dieser huepft waehrend 11 Stunden von Schlagloch zu Schlagloch.
Unterwegs steigt eine Mutter mit ihren 5 Kindern zu. Mit einer Bewegung drueckt sie das Kleinste an ihren Ruecken. Wie ein Aeffchen krallt dieses sich dort fest, waehrend die Mutter ihre Saecke einlaedt.
Vie Villagers sind sich das Busfahren wohl wirklich nicht gewohnt. Der Kotztueten-Verbrauch ist enorm!
Wir haben Glueck: Nur einmal muss etwas geflickt werden. Das benoetigte Ersatzteil wird kurzum aus einem Baum vom Wegrand geschnitzt.
Wir sind froh ueber die Entscheidung, den Bus zu nehmen, denn auf den 400 km gab es kaum ein flaches Stueck, nur wenige Orte, wo wir zu Food gekommen waeren und ausser viel Wald nicht allzuviel zu sehen…

In Nong Khiaw treffen wir zwei franzoesische und einen deutschen Tourenradler. Sie waren heute mit dem Bungalow-Besitzer fischen und haben mit seiner Frau gekocht. Wir werden ebenfalls zum leckeren Nachtessen eingeladen. Spaeter stossen noch ein paar Backpacker dazu. Noch bis spaet Abends erzaehlen die beiden Franzosen von ihren Erlebnissen auf der Tour von Frankreich bis hierher und Uwe, der Deutsche, gibt uns wertvolle Tipps fuer die Routenwahl in Thailand. Danke!

Jetzt sitzen wir auf der Terrasse unseres 2USD-Bamboo-Bungalows, sehen dem Regen zu und schreiben Blogeintraege, die wir (noch) nicht veroeffentlichen koennen. Hier im Dorf gibt es zwar einen einzigen Computer mit Internetanschluss (das Telefonkabel haengt in den Baeumen), aber die Verbindung ist soooo langsam, dass wir vorerst freiwillig auf einen weiteren Eintrag verzichten 😉

Liebe Gruesse aus Laos,
Reto und Petra

PS: Unterdessen sind wir in Luang Prabang (und an einem anstaendigen Computer), aber das ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzehlt werden.

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