May
19

2007

Drei Paesse bis Rivendell


Wir sind froh wieder unterwegs zu sein…

…auf dem Rad ist die Hitze irgendwie ertraeglicher. Auf der naechsten Etappe gibt es allerdings drei groessere Paesse zu bewaeltigen. Die ersten beiden sind um die 1000 Hoehenmeter, der dritte etwas weniger…

Im Zeitlupentempo schrauben wir uns die Passstrasse hoch. Obwohl dies die Verbindungsstrasse der beiden groessten Staedte in Laos ist, ueberholt uns nur eine Hand voll Autos pro Stunde. Neben Bussen und Lkw’s ueberhohlen uns auch Pickups mit den Aufschriften UNICEF, World Vision, Welthungerhilfe oder Red Cross. Dieselben Aufschriften sind auch auf saemtlichen Brunnen in den kleinen Hmong-Bergdoerfern zu sehen.


Reaktion der Dorfkinder, die sich selber im Kamerabildschirm sehen

Ueberall arbeiten Menschen in den brandgerodeten Feldern auf den steilen Berghaengen. Fast in jedem Feld gibt es eine Bambushuette. Fuer unser Nachtlager suchen wir uns eine mit toller Aussicht aus. Als es schon dunkel ist, hoehren wir oben an der Strasse ein lautes Debattieren. Wir schauen uns an und machen das Licht aus. Die Stimmen kommen trotzdem naeher. Schnell packe ich meinen Geldgurt weg, waehrend Reto in die Offensive geht und die Besucher begruesst. Lachend schuetteln sie uns die Haende und sind fast noch schneller weg, als sie gekommen sind. Vermutlich hatten sie auf dem Heimweg den blaeulichen Lichtschein unseres Zeltes mitten in einem Bananenfeld entdeckt und haetten wohl eher ein notgelandetes UFO als zwei campierende Falang (Westler) erwartet…

Der naechste Pass ist sogar noch hoeher als der erste. Auch die Busse quaelen sich herauf. Als wir in einem Dorf versuchen, etwas Essbares aufzutreiben, treffen wir den Besitzer dieses Busses und fragen uns, ob da wohl noch irgendjemand eine Ahnung hat, welche Schraube wohin gehoert!?

Da wir im steilen Gelaende keinen geeigneten Campingplatz finden, fragen wir in einem Dorf nach, ob wir unser Zelt aufschlagen duerften und bekommen ein leerstehendes Bambushaus zugewiesen. Im Halbkreis stehen die Leute um den Eingang, waehrend die Kids sogar herein kommen und interessiert jede unserer Bewegungen beobachten. Da wir ziemlich muede sind und eigentlich gar keine Lust haben, den Hampelmann zu machen, beschliessen wir ihnen zu beweisen, dass wir gaaaaanz langweilig sind: Wir setzen uns vor die Huette und fangen an zu lesen. Das hilft!

Wir wollen nicht mitten im Dorf fruehstuecken und picknicken darum etwas ausserhalb. Bevor eine Familie auf dem Weg aufs Feld vorbei kommt, packen wir schnell die la vache qui rit-Papierli vom Kaese weg, den wir im letzten Touri-Kaff erstanden hatten, und kauen auf einem halbtrockenen Brot herum. Sie schauen aber auch dieses mit grossen Augen an und als wir der Bauernfrau das letzte Stueck verschenken, freut sie sich sichtlich. Noch bevor sie ausser Sichtweite sind steckt sie ihrer Tochter ein grosses Stueck zu.

Der dritte Pass ist etwas kleiner, die anschliessende Abfahrt aber endlos und die Aussicht gigantisch. Wir flitzen vorbei an Rivendell (so siehts da jedenfalls aus) und uebernachten in einem Bungalow bei einer heissen Quelle mitten im Nowhere.

Beim Nachtessen fragt uns der Besitzer (ein pensionierter Lehrer) beilaeufig, ob wir den Wasserfall schon gesehen haetten und wir verabreden uns morgen hinzugehen. Waehrend wir fruehstuecken, montiert er seine Dschungelausruestung: Gummistiefel und Machete. Wir schmunzeln und stellen uns einen gut ausgebauten Touristenpfad vor. Mehr als eine Stunde krabbeln wir schliesslich durchs Gestruepp, durch das uns Herr Rountanh mit der Machete den Weg bahnt. Ueber ein paar Felsen klettern wir hinunter in die Schlucht. Selbstverstaendlich zieht er die Hose aus und wir waten den Fluss zum Wasserfall hinauf. Als wir dann um 10 Uhr unsere Velotaschen packen, sind wir schmutzig, zerkratzt verstochen und k.o. Irgendwie hatten wir uns den Ausflug anders vorgestellt, aber Spass hat’s gemacht.


Unser Wasserfall-Guide…


… und seine Cousine

PS: Ob unter den 50 Gesetzen die es in Laos gibt wohl auch eines fuer Tierschutz ist?!?


Tiertransporter


Detailaufnahme der Ladeflaeche – das kleine Kaelblein lebte noch!

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