Jul
27

2006

Lijiang und die Tiger Leaping Gorge


Dass hier Farraeder, Rickshaws, Pferde- und Ochsenfurwerke, Lastwagen Autos und Busse aller Groessen und Geschwindigkeiten auf ein und der selben schmalen Bergstrasse verkehren fuehrt irgendwie schon noch zu so einigem Nervenkitzel… Aber auch das ist wahrscheinlich Gewoehnungssache, denn waehrend ich ein Adrenalin-Flash nach dem anderen erlebe schlaeft die indienerpropte Sonja neben mir seelenruhig.

In Lijiang, dem Venedig, Asiens verirren wir uns zuerst mal gruendich, wandern eine ganze Weile zwischen den unzaehligen Gaesschen und Fluesschen umher und sind auch in den folgenden Tagen jedesmal heilfroh, wenn wir unser Hostel wiederfinden. Die Altstadt hat (mal abgesehen von den unzaehligen Touristen) wirklich viel Charme.

Als erstes ist mal Informationsbeschaffung angesagt, denn von hier an versagen saemtliche Karten (hier bekommt man sowieso nur Kopien von Handzeichnungen) und Reisefuerer gaenzlich und wir sind voll und ganz auf Reiseberichte im Internet und Tipps von Einheimischen und anderen Backpackern angewiesen.

Am Abend mischen wir uns mit Shorts, triefend nassem Shirt und Teva-Sandalen unauffaellig unter die, fuer das Musical herausgputzten, Chinesen. Die Geschichte haldelt von den verschiedenen Voelkern Yunnans und deren Brauchen und die Inszenierung haut uns von den Socken (die eben nicht anhaben)! Genial und sehr kreativ! Es gibt sogar extra eine Englische Uebersetzung *freu*, obwohl wir die einzigen Westler im Saal sind!

Als um 07.00 (!) der Wecker klingelt verfluchen wir es, dass wir uns am Vorabend von einem Englisch-Lehrer haben ueberreden lassen, seinen Kids bei einem Pronunciation-Wettbewerb beizustehen und nehmen kurz darauf ein Taxi. Sofort sind wir von 15 Jungs und Maedels umringt, die uns Lieder und Gedichte vortragen und wissen wollen wie man einzelne Worter ausspricht. Wir duerfen dann auch in der 2. Reihe beim Wettbewerb zuhoeren und als wir uns dann auf den Zehenspitzen wieder auf den Weg machen, verabschieden sich nicht nur “unsere” Kids sondern der ganze Saal!

Nachdem ich Sonja nur mit Muehe und Not davon abhalten konnte auf einem Essensmarkt in Dali einen suessen Hund zu erstehen, werde ich nun von neuem gefordert: Diesmal dreht sich die Diskussion um ein 90-Rappen schweres Streiffenhoernchen, das sie in die Tiger Leaping Gorge entspringen lassen moechte :-I

Da die ueberaus nette Dame am Ticketschalten nicht gedenkt uns (nur wir beide, ohne Scratch!) ein Ticket zu verkaufen, chartern wir halt zusammen mit einigen anderen Touris einen Minibus zur Tiger Leaping Gorge. Hier treffen wir soviele Langnasen wie noch nie auf einem Haufen und machen uns mit zwei Englaendern und zwei deutschen Maedchen bei stroemendem Regen auf den Weg. Manchmal ist es halt doch auch witzig mit anderen Reisenden einige Erlebnisse und Storys auszutauschen. So erzaehlt z.B. Nils lebhaft, wie oft er behauptet haette, er sei ein “Hard Sleeper” (Klasse in den Chinesischen Zuegen), da er dachte dies sei das Chinesische Wort foer Englaender oder dass er nach einem Dictionary-Gespraech mit einem netten Chinesen dachte, sie wuerden nun Schuhe einkaufen gehen (“Shoe Shopping”), als er von diesem ins Bordell eingeladen wurde 🙂 Vielleicht hatte er einfach den falschen Ton erwischt!?

Als ich am naechsten morgen bei blendend schoenem Wetter aus dem Zimmer tappe, fuehle ich mich wie vom Schlag getroffen: Da stehen ploetzlich Berge, von denen ich mir beim gestrigen Regenwetter nicht haette traeumen lassen, dass sie dastehen! Ca. 5500m! Wow!

Jetzt realisieren wir auch erst die Dimension der Schlucht: Da sind wirklich 3000m zwischen Yangtse und Bergspitzen!!! Unglaublich! Ebenfalls unglaublich sind die Schmetterlinge, Planzen und Blumen am steilen Wanderweg! Mami, du warst begeistert von den mit “Marsupilami-Blumen” gespickten Kiefern-Waeldern!

Etwas weniger angetan waren wir von den Riesenkaefern (etwa so gross, wie meine Handflache), die ein Geraeusch aehnlich einer Motorsaege (auch in Sachen Lautstarke) von sich geben…


Reto, wenn du genau hinschaust, erkennst du, dass deine Origami-Voegeli sogar auf einen Trek mit duerfen, wo sonst nur Apotheke, Ersatzshirt und Zahnbuerste dabei ist!

Am naechsten Mittag stehen wir dann schon wieder unten an der Strasse und warten auf den Bus, welcher aber nicht kommt. Also nehmen wir halt mit dem Viehwagen vorlieb… ein Dorf weiter koennen wir dann sogar in die Fuerher-Kabine umsteigen! Yeah! Gemaess so einer hangezeichneten Karte haeten wir eine 1-stuendige Fahrt ins Flache erwartet, aber der Viehwagen tukert waehrend vollen 4 Stunden Kehre um Kehre in die Bergwelt hinein. Diesmal ist es Sonja, die Blut schwitzt, wenn wir jeweils wieder einen halben Meter am Abgurnd vorbei kurven. Wir versuchen Worter fuer die Landschaft zu finden: stunning, breathtaking, jewdropping, gnarely, tubular… aber irgendwie passt keines so ganz…

In Bai Shui Tai schauen wir uns die Kalkterassen an und sprinten dann in die Unterkunft zurueck um unsere Kameras vor dem aufziehenden Gewitter und dem dazugehoerigen Platschregen zu retten. Desweiteren bewundern wir hier Chinas schlimmstes Klo (es ist sehr belebt) und einen Hundekopf im Kuehlschrank.

Am Naechsten Morgen Plaudern wir mit einem Frazosen. Er erklaert mit Inbrunst, wie geldsuchtig, egoistisch, gemein und bloed die Chinesen seien, hampelt dann eine Weile herum um der Serviertochter zu deuten, dass er den Tee bezahlen wolle und nervt sich darueber, dass er bestimmt gerade uebers Ohr gehauen wurde. Waehrentdessen bestellt Sonja auf Chinesisch in aller Ruhe zwei Teller Nudelsuppe, sagt dass sie die Chinesen eigentlich ganz nett findet und weist ihn darauf hin, dass ein Krug Tee immer um die 5 Yuan herum kostet. Ich schaue der Szene (die wir in ahnlichen Varianten schon oft erlebt haben) nur zu und schmunzle ein bisschen…

Die Rueckreise treten wir mit dem Minibus an. Da ein Ziege – im Gegensatz zu den Huehnern – beim besten Willen nicht mehr in den zum bersten vollgestopften Bus passt, wird sie kurzerhand aufs Dach gestellt. 6h spaeter sind wir wieder in Lijiang, machen uns einmal mehr auf die Suche nach unserem Hostel und ich freue mich endlich nach Norden weiterzureisen, um Hitze und Menschenmassen fuer eine Weile zu enkommen!

Liebe Gruesse aus Shangri-La, dem “Ort der Glueckseeligkeit”
Petra

PS: Oli, ich habe dier ein Fresspaeckli ins Militaer geschickt! Den Reisschnaps haben sie leider gleich auf der Post wieder rausgefischt, aber der Rest sollte eigentlich in rund 2 Wochen ankommen! Ich glaube, es ist alles geniessbar! …obwohl… bei einem Artikel bin ich mir nicht ganz sicher, ob du ihn wirklich essen willst *grins*

Leave A Comment