Jul
21

2006

KungFu im Wu Wei Tempel


Fuenf tage Verbringen wir im Kloster, das ich im letzten Blogeintrag erwaehnt habe. Es befindet sich gut versteckt in bewaldeten Bergen, die auf dem Pagoden-Bild zu sehen sind; weit weg von Elektrizitaet, Fernsehen und Computern. Fliessend Wasser gibts nur, wenn es geregnet hat und man kommt sich hier ein bisschen vor, wie um einige Jahrzehnte zurueckversetzt.

Als wir am Sonntag morgen mit Gepaeck ankommen, werden wir viel freundlicher Begruest als bei unserem ersten Besuch. Ausserdem ist jetzt auch viel mehr los, denn nun haben die KungFu-Kids nicht gerade Siesta und es geht ganz schoen was ab. Zwar wird hier hart Kung Fu trainiert, aber eigentlich geht es ueberhaupt nicht ums Kaempfen, sondern mehr darum Koerperbeherschung und Disziplin zu lernen. In den Wu Wei Tempel kommen naemlich vor allem Waisen und schwererziehbare Kinder und Jugendliche. Etwa 15 Jungs und ein Maedchen zwischen 7 und 20 Jahren gehoeren zur Rasselbande. Ausserdem ein ‘Kuechen-Team’, das aus aelteren Leuten besteht, und natuerlich der ‘Master’.

Der Tagesablauf sieht immer etwa aehnlich aus:
Um 05.00 ertoent der erste schwer zu ueberhoerende Gonschlag und gleichzeitig mit ihm beginnt der Singsang der ersten Messe der Kids und ein Fluchen aus Bett nebenan. Um 06.30, etwa gleichzeitig mit der Sonne, stehen dann auch wir auf. Waherend die Kids beim Master Training haben, ueben wir oder erforschen auf langen Spaziergaengen die Gegend.

Um 08.00 gibs Fruehstueck (auch fuer die Goetter) und um 09.00 bis 12.00 ist dann das erste Training angesagt. Unter der strengen Aufsicht von 5 Tempel-Goettern, wird zuerst ausgiebig gedehnt. Ich kann manchmal fast nicht zuschauen, wie die Jungs und vor allem das Maedchen, ihre Koerper verbiegen. Oft helfen auch 4 oder 5 andere mit, jemanden so richtig durchzubiegen.

Dann Beginnen die Uebungen. Zu Beginn, koennen wir die einfachsten davon kaum nachahmen, machen aber immer mehr Fortschritte. Waehrend dem anschliessenden individuellen Training, lernen wir vom ca 20-Jaehrigen Ximie oder auch von den 10jaehrigen Kids die schwierigen Bewegungsablaeufe, bis dann um 12.00 der heiss ersehnte Mittagessen-Gong ertoent.

Das Essen ist tip top: Jeweils eine Schuessel Reis und 6 bis 7 Gerichte, von denen jeder nehmen kann, was er will. Machmal liegen Esswaren, z.b. Pilze zum trocknen an der Sonne. Nachdem wir da einen Korb voll Seepferdchen gesehen haben, inspizieren wir die manchmal schwer zu definierenden Mahlzeiten etwas genauer, bis uns schliesslich jemand erklaert, das Essen hier sei ohnehin vegetarisch und das was so aussaehe wie Fleisch sei nur Tofu 😉

Waehrend der Siesta, die bis 16.00 dauert, fallen wir, wie auch die Kids, meist fix und fox in unsere Betten (Ich habe schon vom ersten Training an in jedem nur erdenklichen Muskel einen ueblen Muskelkater), lesen, bringen den Jungen Englisch bei oder sie uns Chinesisch.
Vor dem Nachtessen ist dann nochmals ein 2stuendiges Training angesagt. Am Abend sitzen wir oft draussen, trinken Tee mit dem Master und knacken Erdnuesse und Sonnenblumenkerne.
Dieser ist uebrigens mit einem witzigen orangen Kung Fu Anzug bekleidet, welcher ihn wie Rumpelstilzchen hoechst persoenlich aussehen laest. Ausserdem muss ich jedesmal schmunzeln, wenn laute Chinesische Musik ertoent und er aus der Tasche dieses alteruemlichen Anzugs ein hochmodernes Natel zieht. Fuer die Kids ist er respektperson und Vater zugleich und schmeisst diese Aufgabe erstaundlich gut.

Eine andere interessante Person ist Nimbo, der einzig wirklich ambitionierte Kung Fu Moench. Von morgens bis Abends sieht man ihn nur Trainieren, Meditieren oder TaiChi- und Yoga-Uebungen vollfuehren. Er ist um die 30 Jahre alt und da er gewoehnlich kein Wort spricht, haben wir erst nach einigen Tagen gemerkt, dass er eigentlich der einzige im Klosters ist, der fliessend englisch kann.

Ebenfalls stark beeindruckt hat mich die 9jaehrige Liocua (=Orchidee). Sie kam ins Kloster, da ihre Mutter starb und sie von ihrer Stiefmutter geschlagen wurde. Gewissenhaft macht sie ihre Uebungen und kann in Sachen Kung Fu manchmal sogar Nimbo noch was vormachen. Aber nicht nur ihre geschmeidig-Kraftvollen Bewegungen sind beeindruckend, sondern auch ihr Wille und Stolz, der dicke Kopf und die Position, die sie zwischen all den Jungs einnimmt.

Keine Angst, Oli, Kung Fu Meister sind wir in dieser Woche wohl nicht geworden, aber es war toll in dieses Klosterleben hineinzuschauen. Wir waren ueberrascht, wie leicht wir in die ‘Familie’ aufgenommen und integriert wurden.

Gestern war dann das Feuerfest, bei welchem die Kids feines Saegemehl in eine rund 2m hohe Riesen-Fackel hinen werfen , was dann zu kleineren und groesseren Staubexplosionen fuehrt. Als wir dieses zum Anlass nahmen, uns zu verabschieden und wieder etwas weiter zu ziehen war ich fast etwas traurig, das Kloster und die Leute, die wir trotz sprachtechnischen Hindernissen etwas besser kennen gelernt haben, zu verlassen…

Especially for you, Luca, I’ll also put some pictures in and for the rest of the text: I’m sorry and have fun with the google translater 😉

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