Jul
15

2006

Dali old Town


Heute gehts mittels Langer-Weg-Wagen (Ueberlandbus) auf nach Xiaguan und von hier mit einem der Stadtbusse weiter nach Dali. Dieser bleibt kurz vor unserem Ziel mit rauchendem Motor stehen… Unser Hotel ist sehr ok. Wirklich nett, dass sie extra ein Loch in die sonst so westlich aussehende Badewanne geschlagen haben, damit die paar Tropfen Wasser, die aus der Brause kommen im Loch im Boden versickern koennen 😉

Am Abend schlendern wir gemuetlich durch die Innenstadt, wo es von Touristen nur so wimmelt. Diese haben aber alle Schlitzaugen, die meisten sind sogar Chinesen, Westler gibts praktisch keine. So ist der Tourismus nur halb so schlimm… Als wir uns am spaeteren Abend noch ein Chinesisches Bier genehmigen, prosten uns die Chinesen vom Tisch nebenan zu, die gerade ein Trinkspiel spielen. Wir krazen unsere unsere wenigen Saetze Chinesisch zusammen und erklaeren, dass wir aus der Schweiz seien. Sie sind so begeistert, dass sogleich jeder den Uhren-Land-Menschen ein Bier spendieren moechte und bald schon sind wir von Bierflaschen und wild drauflosplappernden Chinesen umringt. Sie probieren unsere Schweizerschoggi ungefaehr aehnlich skeptisch, wie wir ihre Fleischspiessli…

Mitten in der Nacht klopft jemand an unsere Zimmertuer und erklaert, er sei unseren Room-Mate aus Indonesien und er sei so spaet dran, weil er sich in Xiaguan verlaufen haette… Ist dies ein mittelmaessig inszenierter Ueberfall, oder wirklich ein desorientierter Indonesier? Ein Duschmittel in unserem Bad, das weder Sonja noch mir gehoert, ueberzeugt uns schliesslich, das zweite zu glauben. Und damit haben wir sogar recht: Sehr desorientiert und vor allem redseelig!!!

Am naechsten Morgen sind wir ziemlich k.o. und schlafen lange. Bis wir schliesslich zwei Bikes gemietet, gepumpt, geflickt, umgetauscht und wieder geflickt haben ist es 13.00. Zuerst wollen wir die 3 Pagodas anschauen, doch der Eintritt kostet etwa gleichviel wie 8 Uebernachtungen und ist reinste Touristen-Abzoke, also lassen wir es sein…

In Kunming haben wir von zwei kanadischen Backpacker gehoert, sie haetten von anderen Backpackern gehoert, es gaebe irgendwo in der Region Dali ein Kloster, wo man Tai Chi und Kung Fu lernen kann, was noch ein echter Geheimtipp sei. Also machen wir uns auf die Suche. Das ist allerdings gar nicht so einfach, da wir keine Ahnung haben ob da vom alten Dali oder vom neuen (Xiaguan) die Rede war, oder ob es sich sowieso nur um ein Geruecht handelt. Wir fragen uns aber ganz gut durch (das Nach-dem-Weg-fragen haben wir schon recht gut drauf), pedalen und laufen schliesslich rund 1h bei drueckender Hitze und duenner Luft einen Berg hinauf und stossen wiedererwarten mitten im nebligen Berg-Wald tatsachlich auf ein Kloster. Zwei Frauen sind am kochen und geben uns sofort irgendwelche Teig-Dinger zu essen, sperechen aber kein einziges Wort Englisch und vermutlich nicht mal Mandarin. Wir plaudern ein Bisschen mit ihnen und sie ein Bisschen mit uns aber keinen versteht den andern auch nur annaehernd. Ueber eine Treppe gelangen wir zum zweiten Teil des Klosters. Hier sitzen einige aeltere Luete, die ihre Freizeit mit Musizieren, Singen und Brettspielen verbringen. Keiner scheint uns wirklich zu beachten und niemand spricht Englisch. Endlich treffen wir auf ein Maedchen, das einige Worte Englisch spricht und fragen, ob wir hier Kung Fu lernen koennen. “Ja, aber heute nicht mehr.” – Ob wir am So wiederkommen koennten – “yes” – “Zhe shi duoshao qian?” (Wieviel kostet das?) koennen wir ihr gerade noch nachrufen, bevor sie verschwindet. Wir schauen uns noch den Tempel und einige Raeume an und sind beeindruckt von der Ruhe, die von diesem Ort ausgeht!

Zum Glueck hatten wir beim Aufstieg zwei Israelis getroffen, die ebenfalls von diesem Kloster gehoert hatten. Wir werden uns nun mit ihnen treffen und wenn alles klappt die nachste Woche jeweils am Morgen Tai Chi und Kung Fu lernen und am Nachmittag Chinesisch…

Nachdem wir mit unseren Klapper-Bikes wieder ins Tal geholpert sind, machen wir uns noch auf eine 40km-Velotour durch die Reisfelder. Halb verhungert kommen wir nach Xizou, ein kleines Kaff, das wohl noch nicht manche Langnase gesehen hat. Im Restaurant werden wir durch die Kueche gefuehrt und da uns das Fleisch nicht so anmacht, erklaeren wir, wir seien Vegetarier und zeigen auf Tomate, Kohl und Zwiebel. Waehrend in der Kueche handiert wird “plaudern” wir mit dem Opa, welcher wohl auch kein Mandarin kann und dafuer midestens soviel Freude an den Ohne-Woerter-Buechern hat, wie die Kinder. Schliesslich Kriegen wir 3 Menus aufgetischt, eines mit Tomate, eines mit Kohl und eines mit Zwiebel. Alle drei sind schlichtweg fantastisch! Danach koenten wir wohl auch ohne Bike nach Hause rollen und schwoeren uns beim naechsten mal nur noch auf ein Gemuese zu zeigen…

Liebe Gruesse aus dem Land, wo ich T-Shirts der Groesse XL kaufe
Petra

(keine Angst Reto, ich habe mich mit dem chinesischen Food zwar ganz gut angefreundet und unterdessen auch die Staebchen schon ganz gut im Griff, aber die XL-Groesse liegt daran, dass die Chinesinnen alle soooo muenzlig klein sind!)

PS: Hier noch ein Bild der drei Pagodas von Dali, die das Wahrzeichen der Stadt sind.


Und einige aus der Umgebung (Radtour): Zwischen den Doerfern wird das Bild durch gelbe Strohhuete in gruenen Reisfeldern gepreagt!


Ein Bauer geht (wie viele andere) am Abend mit seiner Kuh spazieren:

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